Monogamie von Marek van der Jagt

"In ihren Augen sah ich amüsierte Verachtung. Sie durchaute mich, sagte sie. Ich brauchte mit ihr keine Spielchen zu spielen. Ihre Liebe war freiwillig, ich hatte sie nicht abhängig von mir machen können, und gerade darum konnte ich sie weiter begehren. Weil ich immer wieder die Verachtung in ihren Augen sah, konnte ich sie weiter respektieren, weil ich wisste dass sie wieder gehen würde, blieb ich gespannt auf jedes Wort und jedes Detail. Ich konnte mich binden, weil sie sich nicht band.
(...)
Ich begann mich immer mehr an sie zu binden. Da der Fahrplan ihrer Verachtung zuverlässig funktionierte, war ein Doppelleben zum ersten Mal überflüssig. Ich konnte ihr den echten Marek van der Jagt zeigen, den verhassten, die Leiche im Keller. An ihrere Verachtung sollte das nichts ändern. Sie durchschaute mich ohnedies.
Fast schien es, als fände mein Dasein doch noch ein befriedigendes Ende. Dennoch blieb da ein "aber", obwohl ich lange Zeit blind dafür war. An der Idylle klebte ein Fehler, der lange Zeit unbemerkt blieb: Ich konnte das Spielen nicht lassen, nur sah ich nicht dass ich spielte. Doch Spieler wissen: Wer nicht aufhören kann zu spielen, bleibt im Grunde süchtig nach dem Siegen.
Der Bericht von dem Mann der sich für einen Herrscher hielt, ist der Bericht eines Sieges, der sich als Niederlage erweist, ein Sieg, so groß, dass er sich durch nichts von einer totalen Niederlage unterscheidet..."

Ein Buch über den Wahnsinn des Liebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich glaube, dass Liebesbeziehungen alle eine bestimmte Ähnlichkeit miteinander aufweisen, dass aber das was sie wirklich von eineinander unterscheidet, die Art des Wahnsinns ist, der darin verborgen liegt.

2.3.09 12:23

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


stoex (4.3.09 15:15)
Ist wahre liebe dann vielleicht die, wo der darin enthaltene Wahnsinn nicht verborgen ist?

Ich stimme dir jedenfalls zu, dass liebe ziemlich sicher einiges mit wahnsinn zu tun hat. Zumindest ist sie sehr weit entfernt von rationalität...aber gerade das macht sie wohl auch so spannend.

"Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn."
Friedrich Nietzsche

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